Nigeria

Digitale Spargruppen für die Unsichtbaren

In Ibadan, Nigeria, digitalisiert ein Fintech-Startup das traditionelle Ajo-Sparsystem. Eine Partnerschaft, die Millionen ohne Bankkonto erreichen könnte.

In Nigeria hat nur etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung ein Bankkonto. In ländlichen Gebieten und städtischen Randvierteln ist der Anteil noch geringer. Aber das bedeutet nicht, dass diese Menschen kein Finanzsystem haben. Sie haben eines, das älter ist als jede Bank: das Ajo-System.

Ajo ist eine rotierende Spar- und Kreditvereinigung, in der Gruppen von Nachbarn, Marktfrauen oder Freunden regelmäßig Geld zusammenlegen. Jede Woche zahlt jedes Mitglied einen festen Betrag ein, und reihum erhält ein Mitglied die gesamte Summe. Es ist ein System, das auf Vertrauen basiert, auf persönlichen Beziehungen, auf Handschlag. Es funktioniert seit Generationen. Aber es hat Grenzen. Wenn eine Sammlerin das Geld verliert, wenn jemand stirbt, wenn die Gruppe zu groß wird, gibt es kein Sicherheitsnetz.

Am 10. Februar 2026 wurde in Ibadan eine Partnerschaft bekannt gegeben, die dieses alte System in die digitale Welt bringen will. Die Ibadan Digital Academy (IDA) und das Fintech-Unternehmen Ajoti haben eine Zusammenarbeit angekündigt, die darauf abzielt, traditionelle Ajo-Strukturen zu digitalisieren, ohne sie zu zerstören. Unterstützt wird das Projekt durch das Crimson Project der University of Utah, das technische Expertise und Entwicklungsunterstützung beisteuert.

Die Idee klingt einfach, aber sie ist es nicht. Es geht nicht darum, eine Banking-App zu entwickeln und sie Menschen aufzudrängen, die kein Bankkonto wollen oder brauchen. Es geht darum, ein bestehendes System sicherer, transparenter und skalierbarer zu machen. Jede Einzahlung wird dokumentiert, jede Auszahlung nachvollziehbar, und die Regeln der Gruppe bleiben die Regeln der Gruppe.

Die IDA bringt digitale Kompetenz in die Gleichung. Die Akademie, gegründet in Ibadan, bietet Schulungen in digitalen Fähigkeiten, Inkubationsprogramme für lokale Startups und technische Beratung für Unternehmen, die soziale Probleme mit Technologie lösen wollen. Ajoti liefert die Plattform, die auf den spezifischen Anforderungen des Ajo-Systems aufbaut.

Was diese Partnerschaft von vielen Fintech-Initiativen in Afrika unterscheidet, ist der Ausgangspunkt. Die meisten Finanztechnologie-Projekte beginnen mit der Technologie und suchen dann nach einem Markt. Hier beginnt es mit der Gemeinschaft. Die Technologie passt sich dem an, was bereits funktioniert, statt es zu ersetzen.

Für die Marktfrauen in Ibadan, die seit Jahrzehnten ihr Ajo organisieren, ist das keine Revolution. Es ist eine Verbesserung. Ihr Geld ist sicherer, ihre Gruppe ist flexibler, und sie brauchen dafür keine Bank, kein Konto und keinen Ausweis. Was sie brauchen, ist ein Telefon und das Vertrauen, das sie ohnehin schon haben.

Ob das Modell skaliert, wird sich zeigen. Aber der Ansatz, bestehende informelle Finanzsysteme zu stärken statt sie zu verdrängen, ist einer, der Beachtung verdient.

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